Energie neu denken
Der Energiebedarf unter Einschluss des Verkehrssektors verursacht derzeit etwa zwei Drittel der Emissionen langlebiger Treibhausgase.
Das Beispiel Motorisierung zeigt, wie weit wir von einer Suffizienz entfernt sind: Die durchschnittliche Motorisierung von Neuzulassungen beträgt 156 PS. Das ist dreimal mehr als ein Familienauto unter Beachtung der Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h benötigt.
Der Ansatz zu ökologisch verträglichen Verhältnissen entscheidet nicht nur die Omnipräsenz des Effizienzdenkens in der Wasserstoff- und Energieumwandlung, sondern auch die konsequente Abkehr vom Status Quo und manch unsinniger Energie- und Ressourcenverschwendung. Die Wechselwirkungen ökologischer Zusammenhänge mit den wirtschaftspolitischen Interessen, lassen die Komplexität dieser Thematik nur ansatzweise erkennen.
Die Umstellung der Verkehrsvehikel auf die edelste Form der Energie, den elektrischen Strom, ist in reichlichem Maße gegeben und entspricht dem Gebot der Zeit. Das Ziel, eine klimaverträgliche Gesellschaft setzt jedoch voraus, dass mit Erschließung, Bereitstellung und Nutzung von erneuerbaren Energieen auch Suffizienz bezogene Maßstäbe konsequent eingehalten werden.
Stattdessen sind u. a. Rebound Effekte zu erwarten, die der durch Überkompensation angestrebten Dekarbonisierung diametral entgegenstehen (siehe Graphik rechts). Folge: Es wird nicht weniger, sondern mehr schädliche Energie freigesetzt.
In diesem Zusammenhang sind auch Umgestaltung und Nutzung öffentlicher Räume in den Blick zu nehmen. Die monofunktionale Nutzung der Verkehrsflächen und die Dominanz des individuellen Motorverkehrs bedürfen somit einer kritischen Prüfung. Auch für kleinere Städte und Gemeinden sind gute Verkehrsanbindungen von Bedeutung (siehe Prof. Thomas Krüger, "Die Innenstadt und ihre öffentlichen Räume").
Die Energiewende ist eine Bewegung, die Mensch und Natur versöhnt und völlig neue Möglichkeiten der Individualität in Kunst, Kreativität und Naturwissenschaft öffnet. Sie muss kein Verlust sein, sondern kann ein Mehr durch Weniger belegen.

Diagramm aus dem Hauptgutachten des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung globale Umweltveränderung)